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"Gib mir Deutschland - oder ich sterbe"

DAWN Forschung

Im Gespräch mit Wolfgang Simson


"Gib mir Deutschland - oder ich sterbe"

Die DAWN-Bewegung in Europa

Seit 1990 arbeitet die international unter dem Stichwort DAWN bekanntgewordene Bewegung auch in Europa. Ihr Ziel: eine ganze Nation soll mit dem Evangelium erreicht werden. Hier eine Darstellung der Bewegung von ihrem europäischen Leiter, Wolfgang Simson.

Historisch erwuchs der missionarische Grundansatz von DAWN aus fünf Wurzeln: den Impulsen der 1965 von Billy Graham initiierten Evangelisations-Konferenz in Berlin, dem sog. "Tiefenevangelisations-Konzept" der 60er Jahre, den Beiträgen der einheimischen Missionsbewegungen in der Zweidrittel-Welt, der Gemeindeaufbau-Bewegung sowie der Lausanner Bewegung.

Das erste nationale DAWN-Projekt entstand in den Philippinen das zur Gründung von Zehntausenden neuer Gemeinden beigetragen hat. Heute gibt es angelehnt an DAWN - nationale Bewegungen in 72 Ländern; weitere 58 sind im Entstehen.


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*                     1.Forschungsphase                     *
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*                     1.Konsultation(en)                    *
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*              Bildung eines Ad-hoc-Trägerkreises           *
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*       2.Forschungsphase / Aufbau eines Gebetsnetzes       *
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*                      DAWN-Konferenz                       *
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*          Bildung eines nationalen DAWN Komitees           *
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*        nationale      nationales        nationale         *
*       Zielsetzung     Forschungs-      Koordination       *
*     und Begleitung     institut             |             *
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*                  weitere Konsultationen                   *
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Schwerpunkte der DAWN-Arbeit

Was geschieht, wenn nichts geschieht?

Der Religionsstatistiker David Barrett hat in einem Szenario errechnet, wie stark prozentual die Zahl der Mitglieder christlicher Gemeinden in den Jahren 1980 - 2001 wachsen wird - vorausgesetzt, daß sich nichts wesentliches an der derzeitigen Wachstumsdynamik ändert:
Afrika 97%
Ostasien 93%
Südasien 74%
Lateinamerika 63%
Ozeanien 32%
ehem. UdSSR 22%
Nordamerika 13%
Europa 2%

DAWN stellt die Frage: "Was geschieht, wenn nichts geschieht?"

Der "Spiegel" nannte Deutschland "ein heidnisches Land mit christlichen Restbeständen". Noch immer täuschen sich viele Christen über die Christlichkeit der Bevölkerung hinweg. Der prozentuale Anteil der Menschen an der Gesamtbevölkerung, die von sich selbst behaupten, Jesus Christus persönlich zu kennen, ist in Deutschland (ca. 1,5 %), der Schweiz (ca. 2,1%,) oder Österreich (ca. 0,6 %) nur noch mit der Situation in überwiegend islamischen Nationen vergleichbar. Mit dem Unterschied, daß diese Zahl dort in den letzten Jahren teilweise dramatisch zu wachsen begonnen hat.

Neuaufbruch zur Mission

DAWN geht davon aus: Nur wenn innerhalb jedes Segments einer vielschichtigen Bevölkerung verschiedenste lebendige Zellen/Gemeinden vorhanden sind, kann ein ganzes Land mit dem Evangelium "durchdrungen" werden. In der Regel besteht das langfristige Ziel darin, daß pro 500-1000 Menschen der Bevölkerung jeweils eine lebendige Zelle bestehen - oder entstehen - muß. Lebendige Zellen beschreiben den Ort, an dem Menschen Christen werden und Christen bleiben können. Nur das wiederholte, nachvollziehbare Zeugnis durch den Leib Christi in unmittelbarer geographischer und kultureller Nähe der Menschen wird in der Lage sein, jedem Menschen die Botschaft des Evangeliums nahezubringen. Die internationale Erfahrung bestätigt es: Wo die Multiplikation bestehender Gemeinden vernachlässigt wird, stagniert die Evangelisation. In Ländern wie England und Dänemark wird zum Beispiel von einem synergetischen Miteinander im Rahmen des DAWN-Prozesses nicht nur eine "Veränderung des evangelistischen Wetters", sondern des "Klimas" erwartet: eine Trendumkehr von der Bestandswahrung zu einem Neuaufbruch in der Mission. Die gemeinsame Inlandmission schließt das Neugründen von Gemeinden als Frucht der Evangelisation bewußt ein.

George Carey, Erzbischof der Anglikanischen Kirche, erwartet von seinen Bischöfen, sich intensiv mit der Frage der "Gemeindepflanzung" auseinanderzusetzen und entsprechende Pläne vorzulegen. Inzwischen werden in England mehr neue anglikanische Gemeinden gegründet als geschlossen. Bischöfe und Pfarrer der anglikanischen Kirche haben sich zusammen mit Freikirchen wie den Baptisten, den Methodisten und der Heilsarmee sowie der breitgefächerten englischen House-Church-Bewegung letztes Jahr auf einem Kongreß in Birmingham für ein gemeinsames Ziel in der Multiplikation von Gemeinden ausgesprochen. Bis zum Jahr 2001, so kamen die 750 Entscheidungsträger überein, sollen insgesamt 20.000 neue Gemeinden ins Leben gerufen werden.

Und in Deutschland?

Im Mai 1993 fand in Karlsruhe erstmalig auf deutschem Boden eine europäische Koordinierungstagung aller an regionalen und nationalen DAWN-Prozessen Beteiligten oder Interessierten statt. Im Rahmen des "Gemeinde-Kongresses" vom 16.-19. September 1993 in Nürnberg wird unter dem Titel "Wie christlich ist Deutschland?" das Ergebnis der bisherigen DAWN-Forschungen vorgestellt. Es werden christliche Leiter erwartet, die aufgrund dieses Forschungsberichtes über zukünftige Schritte nachdenken.

© Gemeindewachstum 3/93 Heft 54

DAWN FORSCHUNG: Was ist das eigentlich?


Wussten Sie schon, dass Baden-Württemberg in den achtziger Jahren über eine Million Bevölkerungswachstum erlebt hat? Ist Ihnen bekannt, daß nur noch jeder 50. Protestant regelmässiger Kirchgänger ist? Und dass die Mitgliederzahlen der Volkskirche in den letzten 15 Jahren um über 30 Prozent zurückgegangen sind? Haben Sie gewusst, dass der Anteil der Konfessionslosen in den neuen Bundesländern rund 70 Prozent beträgt, und in Gesamtdeutschland schon auf rund 22 Millionen angewachsen ist? Laut "idea spektrum" gehen nur noch durchschnittlich 2-3 Prozent der Protestanten am Sonntag in die Kirche. Dies entspricht Schätzungen, dass es wahrscheinlich weniger als 2 Prozent wiedergeborene Christen in unserem Land gibt, was etwa 1,5 Millionen Menschen entsprechen würde. Damit stehen einem Menschen, der Jesus Christus persönlich kennt, 50 gegenüber, die dies nicht von sich behaupten würden. Wie kommt es, dass unsere Gesellschaft heute einen wachsenden Hunger nach Religiosität hat, aber gleichzeitig nein zur Kirche sagt? Wie ist es dazu gekommen, dass sich über die letzten Jahre ein stummes Heer von Hunderttausenden aus der Kirche geschlichen hat?

Derartigen Fragen möchte sich die DAWN-Forschung stellen. Sie könnte mit einer Josua-Kaleb-Generation verglichen werden. Josua und Kaleb spionierten das verheissene Land im Glaubensgehorsam aus und kehrten mit Gottes Perspektive für die Eroberung des Landes zum Volk Gottes zurück (4. Mose 13 und 14). Die DAWNForschung hat sich insgesamt fünf Ziele gesetzt:
  1. DAWN-Forschung ist zweckdienliche Forschung und steht im Dienst des Missionsbefehls. Die Forschung soll untersuchen, wie weit wir unserem Herrn gehorsam gewesen sind, unser Volk zu Jüngern Jesu zu machen. Es geht um eine ehrliche Bestandsaufnahme der Frucht unserer evangelistischen Bemühungen.
  2. DAWN-Forschung will eine christliche Landkarte erstellen, die Antwort auf die strategisch wichtige Frage gibt: "Was genau umfasst die Aufgabe der Evangelisierung der 80 Millionen Menschen in unserem Land?"
  3. DAWN-Forschung will den Nebel über der geistlichen Situation unseres Landes wegnehmen, und Gott unter Gebet vertrauen, dass es zu einem "Nehemia-Effekt" kommt. Nehemia brach vor Gott unter Tränen und Fasten zusammen, als er von den niedergerissenen Mauern Jerusalems hörte.
  4. DAWN-Forschung will katalytisch helfen, eine klare Vision zu vermitteln und die Grundlage für Zielsetzung und Planung zu liefern.
  5. DAWN-Forschung will helfen, dass es zu einer prophetischen Botschaft von Gott für unsere Zeit kommen kann. Aus der Kenntnis a) der Beschaffenheit der Erntefelder, b) der Armee Gottes und ihrer Stärken oder Schwächen und c) dessen, was Gott am meisten segnet, kann es dann unter Gebet zu relevanten Plänen für die evangelistische Durchdringung unseres Landes kommen.

Zur Durchführung dieser Forschung ist im März dieses Jahres (1993) ein nationales Arbeitsnetzwerk für die deutsche DAWN-Forschung entstanden, das langfristig die Grundlage für ein nationales Forschungsinstitut schaffen soll.

Kontaktadresse: DAWN Europa, Efringerstr. 51,
D-79576 Weil am Rhein Tel. 07621-793854, Fax 07621-793554,
E-Mail WolfSimson@compuserve.com

Markus Rapp, © Gemeindewachstum 3/93 Heft 54


IM GESPRAECH mit Wolfgang Simson

"die ineffektivsten Methoden diesseits des Himmels..."


Gemeinsam mit Wolfgang Fernandez rief er 1990 den europäischen Zweig der DAWN-Bewegung ins Leben, jetzt stellt er sich den Fragen von "Gemeindewachstum": Wolfgang Simson, 34 jähriger Theologe aus Lörrach. Wir (GEMEINDEWACHSTUMs-Magazin) wollten wissen: Welche Auswirkungen hat die DAWN-Bewegung auf die ganz konkrete Arbeit vor Ort?

?GEMEINDEWACHSTUM: Ich habe im Duden nachgesehen und unter dem Stichwort DAWN nichts gefunden. Sie können mir bestimmt weiterhelfen.
!SIMSON: DAWN steht erstens für englisch "Morgenröte" und kennzeichnet damit einen neuen Aufbruch in der Missionsgeschichte, ein neues Kapitel in der Aera christlicher Evangelisation.

?GEMEINDEWACHSTUM: Ein hoher Anspruch ...
!SIMSON: ... der direkt aus Johannes 21 stammt, wo die Fischer aus eigenem Antrieb fischen gegangen waren, frustriert und mit leeren Netzen zurückkamen, und ihren Meister kaum erkannten, der ihnen am Ufer, englisch at dawn - in der Morgendämmerung - den Befehl gab, ihre Netze noch einmal zur rechten Seite auszuwerfen. Das kennzeichnet so einen Umbruch: der Dienst des Menschen unter der prophetischen Anleitung unseres Gottes. DAWN bedeutet zum anderen "discipling a whole nation", eine ganze Nation in die Nachfolge rufen.

?GEMEINDEWACHSTUM: Also ein weiteres amerikanisches Super-Programm für den deutschen Sprachraum?
!SIMSON: Das ist das klassische Missverständnis eines kleinkarierten Deutschen. DAWN beschreibt einen missionarischen Grundansatz, der in den Philippinen und vielen anderen Ländern der ZweidrittelWelt erprobt worden ist. Die Frage ist nun: Sind die Kirchen und Menschen in Europa - dem inzwischen ja heidnischsten Kontinent der ganzem Welt -, sind die so wesentlich anders, dass sich Grundsätze der Misiologie nicht auch hier übertragen lassen?

?GEMEINDEWACHSTUM: Das ist der springende Punkt: Was auf den Philippinen, in Afrika und Südamerika funktioniert hat, muss in Deutschland noch lange nicht funktionieren.
!SIMSON: Woher wissen Sie das so genau? -

?GEMEINDEWACHSTUM: Viele amerikanische Programme sind in unseren Breiten bereits gescheitert.
!SIMSON: Das ist zweifellos richtig, und das ist genau die Kerbe, in die auch DAWN schlägt. DAWN ist nichts anderes als ein durchdachte Antwort auf den Missionsbefehl - die missionarische Herausforderung -, die bei den Menschen im deutschsprachigen Europa anknüpft, denen Gott bereits eine Vision zur Evangelisierung ihrer ganzen Nation aufs Herz gelegt hat.

?GEMEINDEWACHSTUM: Woher nehmen Sie den Optimissmus, dass eine ganze Nation gewonnen wird?
!SIMSON: Aus dem Neuen Testament. Jesus selber sagt, das Evangelium vom reich Gottes wird verkündigt werden allen Nationen, dann wird das Ende kommen. Gott hat nicht nur den einzelnen im Blick, sondern auch den einzelnen als Teil eines grösseren Ganzen, eben einer Nation.

?GEMEINDEWACHSTUM: Wer denkt aber schon in solchen nationalen Kategorien? Der Pastor in Buxtehude ist doch, wenn überhaupt, daran interessiert, dass seine Gemeinde wächst. Allenfalls tangiert ihn noch seine Stadt, und bestenfalls hat er seine Region im Blickfeld. Ist DAWN nur etwas für nationale Überflieger?
!SIMSON: Nein. Reinhold Messner hat einmal gesagt: Der erste Schritt, den du machst, hängt vom letzten ab, den du machen wirst. Das bedeutet für den Pastor aus Buxtehude: Wenn er etwas gemeinsam mit dem Leib Christi in Deutschland tut zu dem Buxtehude nun einmal gehört -, dann wäre es für ihn sehr interessant zu wissen, wohin geht denn Gott mit unserer Nation als ganzes?

?GEMEINDEWACHSTUM: Konkreter! Wie kann der besagte Pastor von DAWN profitieren?
!SIMSON: Es gibt zwei Pastoren in Buxtehude. Der eine sagt: Ich bin zufrieden, weil ich eine schöne Gemeinde habe. Wir haben 80 Gottesdienstbesucher, fünf Hauskreise und eine blühende Jugendarbeit. Er übersieht dabei, dass der Ortsteil, in dem er lebt, etwa 5000 Einwohner hat, von denen 4920 mit den Füssen wöchentlich abstimmen, dass die Angebote der Gemeinde sie nicht berühren. Diesem Pastor wird DAWN fremd vorkommen, weil er sich sagt: DAWN brauche ich nicht, was ich brauche, ist ein neuer Computer und eine Halbtags- Sekretärin. Der zweite Pastor dagegen denkt nicht im Sinn einer Verwaltung oder eines Konsumentenchristentums. Er fragt sich: Wie kann ich die 5000 mir anvertrauten Menschen mit der Botschaft des Reiches Gottes erreichen?

?GEMEINDEWACHSTUM: Wie viele solche Pastoren gibt es in unserem Land?
!SIMSON: Eine ganze Menge. Ich schätze, dass es durch die freikirchliche und landeskirchliche Szene hindurch in Deutschland durchaus zwei- bis dreitausend Verantwortliche gibt, die in diesen Kategorien denken. Das Problem ist nur, dass sie isoliert arbeiten. Diese Menschen würde es ermutigen, wenn sie spürten: Es gibt eine grössere, nationale Bewegung im Leib Christi, in die hinein ich mit meiner Arbeit passen würde.

?GEMEINDEWACHSTUM: Das zu spüren, ist sicher schön. Aber wie kann ein solcher Pastor ganz konkret von DAWN profitieren?
!SIMSON: Auf verschiedene Weise. Die meisten Pastoren in Deutschland arbeiten im Blick auf die missionarische Arbeit nachgewiesenermassen mit den ineffektivsten evangelistischen Methoden diesseits des Himmels . . .

?GEMEINDEWACHSTUM: ... zum Beispiel?
!SIMSON: Missionarische Hausbesuche, Traktate verteilen, Gottesdienst als evangelistisches Mittel etc.

?GEMEINDEWACHSTUM: Was tut DAWN, um das zu ändern?
!SIMSON: Einen Mentalitätswandel auslösen. Wir müssen erkennen: Wenn wir weiter so arbeiten wie bisher, dann werden wir, ob wir es wollen oder nicht, 97 Prozent der Bevölkerung ausgrenzen. Diese 97 Prozent in den Blick zu bekommen, dazu dient die DAWN-Forschung. DAWN sagt nun, das effektivste, um ein Land mit dem Evangelium zu durchsäuern, wäre in jeder überschaubaren Bevölkerungsgruppe ein Schaufenster Gottes ins Leben zu rufen. Eine lebendige Zelle, die regelmässig und öffentlich das Evangelium unter die Leute bringt.

?GEMEINDEWACHSTUM: Alles ein bisschen zu hoch für den Pastor in Buxtehude.
!SIMSON: Nein. "Discipling a whole nation" heisst auch "discipling a whole neighbourhood". Der Pastor in Buxtehude kann diese nationale Vision herunterdividieren, so dass sie auf seine Stadt oder gar sein Stadtteil zutrifft. Eine Frucht von DAWN wird sein, dass stadtweite, regionale evangelistische Strategien ins Leben gerufen werden, wo dieser Pastor lernt, dass er sein Buxtehude niemals allein erreichen wird, sondern nur in Zusammenarbeit mit anderen evangelistisch motivierten Christen. Er wird merken, dass ein Esel eine Tonne wegzieht, zwei Esel jedoch 27 Tonnen.

?GEMEINDEWACHSTUM: Das ist nicht weniger als ein Paradigmenwechsel, was Si da von den Leitern erwarten.
!SIMSON: Das ist das klassische Wort, ja.

?GEMEINDEWACHSTUM: Ein Vorwurf wird der DAWN-Bewegung immer wieder gemacht: DAWN fördere die kumanie -in der Zusammenarbeit einigt man sich auf den kleinsten gemeinsamen Nenner, was gerade für Evangelisation tödlich ist.
!SIMSON: DAWN geht es nicht um den kleinsten gemeinsamen Nenner, sondern um ein grosses gemeinsames Ziel. Das beste Bild dafür sind Hunde bei einer Hasenjagd. Was tun die Hunde, bevor der Hase losgelassen wird? Sie beissen sich gegenseitig ins Ohr, machen viel Krach - und überall ihre Hundemarken hin. Sobald aber die Jagd losgeht und der Hase losgelassen wird, sind die Hunde wie verwandelt. Schulter an Schulter rennen sie diesem Hasen hinterher. Keine Zeit mehr für Hundemarken, Beissereien und Rangeleien - für binnenchristliches Gezänk. Viele Gemeinden gleichen, wenn wir ehrlich sind, den Hunden vor dem Start. Was sie bräuchten, ist ein Hase, ein gemeinsames Ziel für die Evangelisation. Verschiedene Gemeinden, Strömungen und Kirchen müssen dann lernen, auf das selbe Ziel hinzumarschieren, aber jeder unter seiner eigenen Flagge.

?GEMEINDWACHSTUM: Ist das nicht ein etwas naiver Gedanke, dass jetzt Katholiken und Protestanten, adventisten und Baptisten, Pfingstler und Evangelikale alle gemeinsam ein Ziel formulieren, dem sie gemeinsam nachjagen?
!SlMSON: Warum soll das ein naiver Gedanke sein, wo doch Jesus für die Einheit des Leibes Christi gebetet hat?

?GEMEINDEWACHSTUM: Hat es in anderen Ländern bereits funktioniert?
!SIMSON: In 40, 50, 60 verschiedenen Nationen findet genau das statt: Die evangelistisch motivierte Christenheit schliesst sich unter einem gemeinsam formulierten Ziel zusammen.

?GEMEINDEWACHSTUM: Ein weiterer Vorwurf gegenüber DAWN: Hier handelt es sich um nichts anderes als um eine versteckte Gemeindegründungs-Bewegung.
!SIMSON: DAWN ist keine versteckte, sondern eine sehr offene Evangelisations-, und damit auch Gemeindegründungs-Bewegung! Kirche Jesu Christi kann sich nur dann in einer Gesellschaft als relevant erweisen, wenn sie sich in ihrem jeweiligen Kontext stetig neu multipliziert. Das ist biblisch, das ist neutestamentlich, das ist normal. Darauf hat auch keiner ein Monopol. Die Frage ist: Wie können wir in dieser entkirchlichten Gesellschaft neue Formen von Gemeindeleben entwickeln, ohne dass es eine Konkurrenz zum Bestehenden wird?

?GEMEINDEWACHSTUM: Aber das ist doch eine Illusion. Jede neue Form wird als Konkurrenz verstanden.
!SIMSON: Das glaube ich nicht. Das wird nur von Leuten als Konkurrenz verstanden, die von der Sache nichts verstehen.

?GEMEINDEWACHSTUM: Aber dennoch hat doch die überwältigende Mehrheit der Pastoren - vielleicht 90 Prozent - derartige Ängste. Wollen Sie all denen bescheinigen, die hätten von der Sache nichts verstanden?
!SIMSON: Bernd Schlottoff hat den deutschen Pfarrern vorgeworfen, dass 98 Prozent nicht in der Lage seien, einen Menschen zu Jesus zu führen. Da kann ich doch sagen, dass 90 Prozent im Moment nicht in der Lage sind, den Wert von Gemeindepflanzung richtig einzuordnen. Wer sich entrüstet, dass neben ihm noch anderes entsteht, der gleicht zwei Ameisen, die vor einem Elefanten stehen und sich streiten, wer denn jetzt den Elefanten fressen darf.

?GEMEINDEWACHSTUM: Mr.DAWN, vielen Dank für das Gespräch.

Das Gespräch führte Kai S.Scheunemann, © Gemeindewachstum 3/93 Heft 54


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